Selbsthilfe Rhede

 


Aktuelles

Wegen der hohen Corona-Zahlen fällt das Treffen im November 2020 aus!


10.11.2020

Auf der Internetseite von Kirche und Leben hat Herr Baumers, Assistent des Interventionsbeauftragten, darauf hingewiesen, dass es im Bistum Münster einen Betroffenenbeirat geben soll, der sich selbst konstituiert, dessen Vertreter also nicht vom Bistum bestimmt werden.

Ein erstes Treffen wird es zu Beginn des Jahres geben, wenn (hoffentlich) die Corona-Bedingungen eine entsprechende Versammlung wieder zulassen.

Da nur das Bistum die Adressen aller Betroffenen kennt, wird das Bistum die entsprechenden Personen anschreiben. Die Versammlung selbst wird jedoch ohne Bistumsbeteiligung stattfinden, um zu gewährleisten, dass die Betroffenen unter sich bleiben und frei und unabhängig von kirchlichen Einflüssen ihre Vertreter bestimmen können.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bistum-muenster-missbrauchsopfer-entscheiden-selbst-ueber-beteiligung

Wer Interesse hat, dieses erste Treffen gemeinsam mit uns vorzubereiten, kann das Kontaktformular nutzen, um entsprechende Ideen auszutauschen.



08.11.2020

Auf der Internetseite des Bistums gibt es einen Musterbrief des ersten Anschreibens an Betroffene zu den geplanten Anerkennungszahlungen, auf den wir zur allgemeinen Information kommentarlos verweisen :

https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Pressemitteilungen/2020/2020-11-03-Betroffene-Sexueller-Missbrauch-Brief.pdf


14.10.2020

Verwiesen sei auch auf das aktuellen Heft der Mitgliederzeitschrift "Forum Opferhilfe" des "Weißen Rings"

Im Themenschwerpunkt des Heftes berichten drei Betroffene aus dem Bistum Münster unter dem Titel "Das Schweigen der Gemeinden" ihre "Geschichten vom Schweigen, Reden und Kämpfen".

Es bleibt die Hoffnung, dass Leserinnen und Leser des Heftes annähernd nachvollziehen können, dass der sexuelle Missbrauch mit dem Ende der eigentlichen Taten für die Opfer nicht abgeschlossen ist, sondern diese Betroffenen ein Leben lang mit mehr oder weniger schweren Traumatisierungen begleitet. Ob diese lebenslangen Folgen mit den geplanten Zahlungen zur "Anerkennung des Leids" (s.u.) hinreichend abgegolten sind, mag jeder für sich entscheiden.

https://weisser-ring.de/system/files/domains/weisser_ring_dev/downloads/wer20004forumopferhilfe03200817web.pdf


Dass diese Ereignisse die damals Verantwortlichen im Bistum offensichtlich deutlich weniger belastet, für sie auch ohne Konsequenzen bleibt, macht insbesondere der Artikel in den Westfälischen Nachrichten vom vergangenen Jahr deutlich.

https://www.wn.de/Muensterland/4021529-Umgang-mit-sexuellem-Missbrauch-Ex-Generalvikar-Werner-Thissen-raeumt-schwere-Fehler-ein



14.10.2020

Am 8. und 9. Oktober 2020 gab es eine Tagung in Bonn zum Thema „Die Kirche und der sexuelle Missbrauch“ mit dem Titel „Katholische Dunkelräume“. https://www.kfzg.de/

Für uns Betroffene aus dem Bistum waren vor allem die Beiträge von Frau Wijlens und den Wissenschaftlern aus der Forschungsgruppe von Herrn Großbölting von Interesse.

Frau Wijlens, die als Kirchenrechtlerin sich seit mehr als 35 Jahren mit dem Phänomen des Missbrauchs weltweit beschäftigt,  machte in ihrem Vortrag eindrucksvoll darauf aufmerksam, dass das Kirchenrecht nach wie vor den Missbrauch nicht als Verbrechen gegen die Menschenwürde von Kindern ahndet, sondern diese Taten als Vergehen gegen die Einhaltung des Zölibats ansieht. (Die einseitige Orientierung an den Tätern bzw. der Institution zeigt sich auch im Interview mit Herrn Thissen aus dem letzten Jahr).

Frau  Wijlens forderte eindringlich einen Perspektivwechsel in der Missbrauchsbekämpfung. Besonders betroffen machten ihre mehrfachen Hinweise auf engagierte Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsgruppen, die einige Zeit später selbst als Missbrauchstäter bekannt wurden.

https://neuesruhrwort.de/2020/10/08/perspektivwechsel-bei-missbrauchsbekaempfung-gefordert/ https://www.wn.de/Muensterland/4021529-Umgang-mit-sexuellem-Missbrauch-Ex-Generalvikar-Werner-Thissen-raeumt-schwere-Fehler-ein


Herr Großbölting beklagte vor allem die Hindernisse, die es aktuell bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen gibt. Täter und Verantwortliche in den Bistümern wehren sich gegen die Veröffentlichung ihrer Namen, indem sie sich auf den Schutz des Persönlichkeitsrechts berufen (München, Limburg, Köln).

Darüber hinaus war für uns Betroffene aus dem Bistum Münster vor allem der Bericht über die Untersuchungen im Bistum Münster von Interesse, die an zwei Fallbeispielen verdeutlicht wurden.


Das dicht gedrängte Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeigte eindrucksvoll, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche kein individuelles Geschehen ist, sondern vor allem auch systemische Ursachen hat. Zur Aufklärung des sexuellen Missbrauchs müssen also zwangläufig auch die hierarchischen bzw. machtpolitischen Strukturen in der Kirche sowie die unterschiedlichen Rechtssysteme (staatleiches Recht / Kirchenrecht) betrachtet werden. Es müssen auch die Verantwortlichkeiten einbezogen werden, die sich aus den zahlreichen Versetzungen von (bereits bekannten) Tätern ergeben. Matthias Katsch sprach als Betroffenenvertreter von „organisierter Verantwortungslosigkeit“ in den Kirchenleitungen.

https://www.kfzg.de/fileadmin/user_upload/downloads/tg-katholische-dunkelraeume-pressemitteilung-20201011.pdf



14.10.2020

In der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda wurde die Neuregelung der „Zahlungen für die Anerkennung des Leids“ beschlossen.

Die wesentlichen Schwerpunkte sind:

1.    Die Anerkennungsleistungen werden auf Beträge zwischen 1000 € und 50.000 € begrenzt.

2.    Bisherige Anerkennungszahlungen werden angerechnet.  

3.    Anträge können ab Januar 2021 gestellt werden.

4.    Die Höhe der Anerkennung wird von einem unabhängigen 7-köpfigen Entscheidungsgremium aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen festgelegt.  Dieses Gremium wird bis Ende des Jahres von einem Auswahlgremium bestimmt.

5.    Diesem Auswahlgremium werden auch Betroffene angehören.

6.    Das Entscheidungsgremium wird vom Vorsitzenden der Bischofkonferenz berufen.

Weitere Details findet man unter:

https://www.dbk.de/de/themen/sexueller-missbrauch/informationen-fuer-betroffene/


Das Bistum Münster hat bekanntgegeben, dass es hier ein vereinfachtes Verfahren geben soll. Schon im Oktober werden die Betroffenen angeschrieben und über Einzelheiten informiert.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/muenster-zahlt-nicht-aus-kirchensteuern-an-missbrauchsopfer


Anmerkung:

Offensichtlich ist es dem Bistum besonders wichtig, darauf zu hinzuweisen, dass diese Zahlungen aus dem Topf des Bischöflichen Stuhls erfolgen, dass der Bischöfliche Stuhl dafür eventuell sogar Kredite beim Bistum aufnehmen muss.

Nicht verwiesen wird aber darauf, dass die Untersuchungen der Historikerkommission (veranschlagt sind 1,3 Millionen Euro) offensichtlich vom Bistum, also von den Kirchensteuerzahlern finanziert werden. 

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2019/sep/Missbrauchsstudie_Bistum_Muenster.html





31.08.2020

Seit dem 26.08.2020 gibt es den von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) angekündigten Bericht zum Missbrauch in den Orden. Er ist unter dem folgenden Link einsehbar:

https://www.orden.de/aktuelles/meldung/?no_cache=1&tx_ignews_newsdetail%5Bnews%5D=4163&tx_ignews_newsdetail%5Baction%5D=show&tx_ignews_newsdetail%5Bcontroller%5D=News&cHash=8ca012df208cfed309665602098b8085

Der 11-seitige Bericht besteht im Wesentlichen aus einer statistischen Auswertung  eines Fragebogens, der den einzelnen Orden zugesandt wurde.

Da es nur eine statistische Auswertung gibt, ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, welche Orden überhaupt Daten zurückgemeldet haben. Folglich bleibt auch unersichtlich, wie viele Opfer und Täter es bezogen auf die jeweiligen Orden gegeben hat. Niemand von den Betroffenen kann also nachprüfen, ob er /sie  zumindet theoretisch in den gemeldeten Opferzahlen erfasst ist.

Insbesondere die wenig wissenschaftliche Fundierung dieser Erhebung stößt vielfach auf Kritik.

Eine differenzierte Kritik zu diesem Bericht der DOK gibt es unter folgenden Link:

https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-ab-01-05-2020/

17.08.2020

Es gibt einen neuen Flyer „Nulltoleranz, Unterstützung und Prävention“ des Bistums mit gravierenden inhaltlichen Änderungen zum ersten Flyer, der im Sommer 2019 veröffentlicht wurde.

Für Betroffene, aber nicht nur für sie, eine wichtige Lektüre.

Der Flyer ist im Internet zu finden unter

https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Rat-Hilfe/Ansprechpartner-sex-Missbrauch/2020-08-Broschuere-FAQ-sexueller-Missbrauch.pdf

Vereinbarung zur Aufarbeitung des Missbrauchs

Ende Juni haben Bischof Ackermann und Herr Rörig vom UBSKM eine Vereinbarung unterschrieben, die Grundlage sein soll für die Gründung von Kommissionen in den einzelnen Bistümern. Die Kirche kommentiert diese Vereinbarung teilweise euphorisch: Für den Kampf gegen den Missbrauch ist es ein Meilenstein“: Die katholischen Bischöfe haben eine Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch verabschiedet. Damit nimmt die Kirche eine Vorreiterrolle ein.“ https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-04-28/vorreiterrolle-durch-unabhaengige-kommissionen-bischoefe-stimmen-vereinbarung-zur-aufarbeitung-von).

Es gibt aber auch kritische Töne, selbst aus den Reihen der Kirche. So hält Herr Klaus Mertes wenig von dieser Vereinbarung, weil die Untersuchungen ein weiteres Mal unter der Leitung der Bischöfe bzw. der DBK stattfinden. Eine wirkliche Unabhängigkeit der Untersuchungen sei folglich nicht möglich. „Der Versuch der Deutschen Bischofskonferenz, die Missbrauchskrise umfassend aufzuarbeiten, ist gescheitert.“  https://www.herder.de/hk/kirche/die-bischofskonferenz-geht-den-falschen-weg-unabhaengige-aufarbeitung-gibt-es-bisher-nicht/

Dass derartige Konstruktionen unter der Federführung der Bischöfe wenig Unabhängigkeit erlauben, vor allem die Betroffenen in ihrer Opferrolle belassen, haben wir ja schon auf unserem Kommentar zum Betroffenenbeirat angemerkt. Weitere Kritikpunkte aus der Sicht von Betroffenen kann man auch in der Stellungnahme der Betroffenenbeirats in Köln nachlesen: 

https://www.erzbistum-koeln.de/news/Betroffenenbeirat-zur-Aufarbeitung-sexualisierter-Gewalt/

Welche Verwicklungen und Rollenkonfusionen solche Konstruktionen erzeugen können, erläutert Matthias Alexander Schmidt im aktuellen Wochenkommentar auf www.kath.de. Dabei bezieht er sich auf die Konstruktion des  Betroffenenbeirats ebenso wie auf die aktuelle Vereinbarung. Den wirklich lesenswerten Artikel mit dem Titel „Weder Täter noch Opfer sind unabhängig“ findet man unter https://kath.de/kommentar/2020-06-26-missbrauch-weder-taeter-noch-opfer-sind-unabhaengig

Die Ergebnisse solcher Aufarbeitungskommissionen geben wenig Hoffnung auf Konsequenzen für die Verantwortlichen in den jeweiligen Bistümern. Das kann man an den bisher abgeschlossenen Untersuchungsberichten erkennen:

  • Der Bericht in München (von Kardinal Marx in Auftrag gegeben) bleibt unter Verschluss.
  • Die groß angekündigte Pressekonferenz Anfang März in Köln zur Aufarbeitung der Missbrauchsvergangenheit im Erzbistum Köln ("wir nennen Ross und Reiter, auch die Verantwortlichen neuerer Zeit") wird kurzfristig abgesagt. Nach mehr als zweijähriger Arbeit bemerkt die beauftragte Anwaltskanzlei zwei Tage vor Veröffentlichung plötzlich, dass man die Namen von Tätern und Verantwortlichen nicht öffentlich nennen darf / kann(?). 
  • Auch im Bistum Limburg hat die Veröffentlichung der Studie keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen. Man bekennt sich nach 10 Jahren Missbrauchsskandal allerdings zum "Beginn von Ehrlichkeit". Da zieht man als Betroffener ehrfürchtig den Hut!

Wie  die aktuell tätigen Bischöfe mit kritischen Fragen zur eigenen Verantwortung umgehen, lässt sich auch am Beitrag des Deutschlandfunks von Anfang Mai erkennen, der unter dem Titel "Die Blockade der Bischöfe" am 05.05.2020 gesendet wurde. 

In diesem Beitrag wird auch deutlich, mit welcher Vehemenz die verantwortlichen Kirchenoberen sich darum bemühen, die Verfahren zur Aufarbeitung des Missbrauchs weiterhin zu kontrollieren. Dennoch bezeichnen sie die geplanten Kommissionen irreführend als "unabhängig".

Für kritische Fragen der Autorin stehen sie weitgehend nicht zur Verfügung. Nachzuhören bzw. nachzulesen ist dieser Beitrag des Deutschlandfunks unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/katholische-kirche-und-sexualisierte-gewalt-die-blockade.3720.de.html?dram:article_id=470021 



Übergabe der Studie zum Missbrauch im Bistum Limburg an Martin Schmitz

Der Beginn von Ehrlichkeit

Am Samstag, den 13.06.2020, gab es eine zentrale Veranstaltung in der Pauskirche in Frankfurt unter der Leitung von Bischof Bätzing, der zurzeit Vorsitzender der Bischofskonferenz ist. Obwohl die Veranstaltung bundesweit Beachtung fand, (u.a. Tagesschau, Heute-Journal, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, Süddeutsche Zeitung), die Studie von Bischof Bätzing in der Pauskirche in Frankfurt an Martin Schmitz als Betroffenen und externen Mitarbeiter der Studie überreicht wurde, war dies am darauffolgenden Montag weder den Westfälischen Nachrichten, noch „Kirche und Leben“ eine Zeile wert.

Dagegen titelt die Frankfurter Allgemeine: „Ohrfeige für das „System Kirche““ und „Den Schweigepanzer aufgebrochen“ .

Bei www.katholisch.de heißt es unter anderem: „Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Der Beginn von Ehrlichkeit". Gemeinsam mit Ingeborg Schillai, der Präsidentin der Diözesanversammlung, überreichte Bätzing ein Exemplar des Abschlussberichts an Martin Schmitz als Vertreter der Betroffenen. Schillai betonte, die Ergebnisse der Studie "schreien danach, dass wir endlich wirksam gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche und gegen seine Vertuschung vorgehen".

Bei youtube kann man die Veranstaltung nachträglich ansehen.

Bemerkenswert sind aus Sicht von Betroffenen neben der Rede von Martin Schmitz vor allem auch die Reden von Herrn Bill (Jurist) und des 20-jährigen Opfers Lisa Scharnagel. Die Rede von Herrn Bill beeindruckt, weil er in seinem Beitrag neben dem Leid der Opfer auch die Verantwortung der Kirchenoberen hervorhebt. Lisa Scharnagel macht eindrucksvoll deutlich, wie sie ihre Ohnmacht als Opfer, aber auch die abwertenden Bemerkungen als Mitwirkende der Studie in diesem System wahrgenommen hat und wahrnimmt. Sie betont, wie wenig sich in den letzten 10 Jahren Missbrauchsskandal trotz aller Beteuerungen tatsächlich verändert hat.

Interessant ist auch ein Kommentar aus "Zeit online", in dem der Autor (Andreas Öhler) darauf aufmerksam macht, dass es den "Beginn der Ehrlichkeit" nicht geben kann. In seinem Kommentar fordert er dazu auf, definitiv die Namen der Täter zu nennen.

Quellen:


Weitere Themen


Unsere Treffen in Rhede und Münster dienen vorrangig der gegenseitigen Unterstützung im Umgang mit dem erlittenen Missbrauch. Sie sind insbesondere auch bei der aktuellen Berichterstattungen (wie jetzt in Münster) vielfach nötig, weil die mehr oder weniger freiwillige Konfrontation mit diesen Berichten auch wieder die Erinnerungen an die eigene Vergangenheit hochspülen. 
Die aktuellen Missbrauchsfälle in Münster bieten also reichlich Anlass für persönliche Gespräche, bieten insbesondere aber auch Raum, sich über die individuelle Bewältigung solcher ungewollten Einflüsse auszutauschen! 

Die Fälle in Lügde und Münster unterscheiden sich in der Dimension vielleicht von den bisher bekannten Fällen im Bistum. Vielleicht öffnet die Auseinandersetzung mit diesen Fällen aber auch eine neue Sicht auf die Ergebnisse der MHG-Studie für das Bistum Münster. Dort heißt es nämlich über die 450 Betroffenen, von denen 317 dem Bistum namentlich bekannt sind:

"Von den Opfern waren den Angaben zufolge knapp 80 Prozent männlich und 20 Prozent weiblich. Das Alter der männlichen Betroffenen habe zwischen 4 und 21 Jahren gelegen, das der weiblichen zwischen 0 und 18 Jahren." (https://www.katholisch.de/artikel/19045-missbrauch-das-sind-die-zahlen

-aus-den-bistuemern)  

Darüber hinaus gibt es aber nach der Corona-Pause weitere Themen, die unbearbeitet geblieben sind: 

  • Erinnert sei da an die Entscheidungen der Bischöfe in Mainz zu den Entschädigungen von Betroffenen. Diese Planungen weichen ja gravierend von den Empfehlungen der hochrangig besetzten Expertenkommission ab, die die Bischöfe selbst einberufen hatten! (" Ihr gehörten 28 Experten an, darunter die frühere Justizministerin von Nordrhein-Westfalen, Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU), der Bayreuther Rechtsprofessor Stephan Rixen – und erstmals auch acht Betroffene." (https://www.kirche-und-leben.de/artikel/kirche-will-missbrauchsopfern-erheblich-mehr-geld-zahlen) Im Herbst hatte Bischof Ackermann diese Vereinbarungen gemeinsam mit Herrn Katsch angekündigt, allerdings darauf hingewiesen, dass noch Einzelheiten geklärt werden müssten. Dass man diese Vereinbarung(?) über Entschädigungen einseitig aufkündigt und anschließend als "gewisse Form von Gerechtigkeit durch Gleichheit" (Bischof Overbeck)" anpreist, kann nicht unwidersprochen bleiben. Zumal das, was die Kirche eventuell bereit ist zu zahlen, keine "Entschädigung" mehr sein wird. Was den Betroffenen nun konkret gewährt wird /werden soll, ist wieder nicht abschließend geklärt, sondern wieder vertagt worden. Das Hinhalten geht also weiter. 
  • Im Frühjahr hatten die Bischöfe neben der Neuregelung der Entschädigungen angekündigt, in den Bistümern  Anti-Missbrauchs-Kommissionen unter Beteiligung von Betroffenen einzurichten. Selbst den Medien fällt inzwischen auf, dass die Umsetzung dieser Planungen äußerst schleppend vorangeht. Vom Bistum Münster gibt es erste Anfragen zu Gesprächen mit Betroffenen zur Vorbereitung. Umso dringender ist es, dass wir uns als Betroffene darüber verständigen, welche Ziele wir in einer solchen Kommission anstreben und in welcher Form wir uns überhaupt einbringen können. Dass eine solche Planung und Absprache im Vorfeld nötig ist, machen die Vorgaben der Bischofskonferenz zum Betroffenenbeirat deutlich.
  • Anfang März ist ein neuer Fall von Missbrauch im Bistum bekannt geworden. Die Mitteilungen des Bistums zu diesem Fall F.G. bieten Anlass zu Gesprächen. Dort heißt es: "Zu den Tatorten und der Anzahl der Betroffenen, die sich bisher gemeldet haben, kann das Bistum aus rechtlichen Gründen und Aspekten des Persönlichkeitsrechtes keine Angaben machen."  Das Bistum beabsichtigt offensichtlich, die juristisch nicht geklärten Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten / Täters  bzgl. der Namensnennung auf statistische Daten wie Tatorte und Anzahl der Betroffenen auszudehnen. 
  • Betrachtet man die Berichterstattung in den Medien und die Bemühungen der Landesregierung zu den Fällen in Lügde und Münster, scheint diese Bistumsposition kaum haltbar. Für Betroffene ist diese merkwürdige Ausdehnung nicht hinnehmbar. Unter solchen Bedingungen hätten die allseits bekannten Missbrauchsskandale im Bistum  (wie z.B. die Fälle Pottbäcker und Adamek) in diesem Umfang kaum aufdeckt werden können. Denn die Kirche hat die Täter bei Bekanntwerden von erneuten Taten immer wieder in andere Pfarreien bzw. Bistümer versetzt. Wir als Betroffene sollten diskutieren, wie wir uns zu diesem Versuch der Ausdehnung des Persönlichkeitsrechts (auch öffentlich) positionieren. Dabei sollten wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass offensichtlich alle Offenlegungen von Missbrauchsfällen mit größeren Dimensionen in den letzten Jahren von Betroffenen initiiert wurden, nicht vom Bistum. Das gilt auch für den aktuellen Fall (F.G.). Ohne eine öffentliche, bistumsweite Diskussion werden Missbrauchsfälle, die über einzelne Pfarreien hinausreichen, aber nicht angemessen aufgeklärt werden können. 
  • Die Gruppe in Münster befindet sich noch im Aufbau. Es ist zu überlegen, mit welchen Maßnahmen und Aktionen wir die Gruppe bekannt machen können, ohne die private und geschützte Atmosphäre der Treffen zu verlieren. Nur wenn sich die TeilnehmerInnen auf die Verschwiegenheit aller Teilnehmer verlassen und daher frei sprechen können, kann eine solche Gruppe für den einzelnen Betroffenen hilfreich sein. 
  • Das Vorgehen der Bischöfe in den vergangenen Monaten macht ein weiters Mal deutlich, wie dringend nötig es ist, uns nicht vereinzeln zu lassen. Wir müssen als Gruppe auftreten, dürfen uns nicht auf das Wohlwollen der Kirche verlassen, so sehr diese auch propagiert, im Sinne der Betroffenen zu handeln. (Bischof Genn: "Bei allem, was wir tun, müssen die Opfer im Mittelpunkt stehen: Was können wir für sie tun?"). Andernfalls wird vermutlich jede(r) Betroffene wie Bischof Genn im letzten Herbst in der Kirche in Wadersloh bekennen müssen: "Ich war zu blauäugig!"